Das letzte Geheimnis

Mehr durch Zufall habe ich vor einigen Monaten mitbekommen, dass Dan Brown in diesem Jahr ein neues Buch veröffentlicht. Ich weiß tatsächlich nicht mehr, wie es dazu kam, aber irgendwie habe ich auf einmal die Seite von Dan Brown geöffnet und gesehen, dass er mit seinem neuen Buch „The Secret of Secrets“ auf große Lesetour geht. Da ich tatsächlich mittlerweile alle Bücher von ihm gelesen – okay, eins auch gehört – habe, war das für mich ein wenig ein Must Read. Scheinbar ging es aber auch anderen Blogenden so, dass nur der Zufall ihnen vom neuen Buch Dan Browns berichtete.

Anfang November war es dann endlich soweit und ich konnte den neuen Verschwörungsroman von Dan Brown als Vorbestellung aus der Bibliothek meines Vertrauens in meinen Händen halten.*

Das Bild zeigt das Buch The Secret of Secrets neben einer astronomischen Uhr in einer Kirche
Das Foto wurde in der Marienkirche Rostock neben der Astronomischen Uhr aufgenommen.

Nun aber zurück zu dem Geheimnis aller Geheimnisse! (Ich finde, der Titel klingt auf deutsch gar nicht so schlecht…) Es geht hier um Katherine Salomon, die Noetikerin oder auch Bewusstseinsforscherin, die geneigte Dan Brown-Lesende bereits mindestens aus dem Roman Das verlorene Symbol kennen. Die Noetik ist eine Wissenschaft, die sich mit dem Wesen des menschlichen Bewusstseins beschäftigt. Katherine Solomon hat dazu ein Manuskript geschrieben, in dem es um die Beweise eines nicht-lokalen-Bewusstseins geht – sie behauptet darin, dass alle Menschen untereinander durch eine Art kollektives Bewusstsein verbunden sind und jeder nur einzelne Signale daraus empfängt. Daraus leitet sich dann die individuelle Persönlichkeit ab. Dan Brown/Katherine Solomon führt auch einige durchaus überzeugende Beispiele an, die mich auch während des Lesens immer wieder zum Nachdenken anregten und teilweise durchaus schlüssig klingen. Das Manuskript des Buches wird jedoch von einem superverschlüsselten Server gelöscht und alle Spuren verwischt, weil es einem supergeheimen Projekt in die Quere kommen könnte. Unsere Protagonisten Robert Langdon und Katherine Solomon müssen sich nun also wieder mit Verfolgungsjagden und Todesängsten herumplagen, um zu entkommen und alle Rätsel zu entschlüsseln.

Ich muss gestehen, dass mich das Buch inhaltlich durchaus interessiert. Das Vorhandensein eines größeren Bewusstseins ist ein interessantes Gedankenexperiment. Dan Brown führt hier durchaus schlüssige Beispiele an, die auch für sich betrachtet einigermaßen überzeugend klingen. Natürlich versucht er auch die Schwierigkeiten darzulegen, dass durch die fehlende Reproduzierbarkeit die Noetik und ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht belegbar sind. Allerdings bekommen wir als Lesende auch größtenteils nur Argumente/Hinweise zu lesen, die für ein außerkörperliches Bewusstsein sprechen. Es kann bei weitem nicht die Rede davon sein, dass dieses Buch versucht, eine ausgewogene Darstellung anzubieten. Das liegt natürlich in der Natur der Sache – Dan Brown will keine wissenschaftliche Abhandlung über das für und wider eines außerkörperlichen Bewusstseins schreiben, sondern einen Bestseller und Unterhaltungsroman. Daher sollte sich jeder Lesende bewusst sein, dass wir nur eine sehr einseitige Darstellung lesen und jedes weiterführende Interesse an dem Thema sich zwangsläufig auch mit Gegenbeweisen beschäftigen muss, um eine ausgewogene Darstellung zu bieten. Ich kann mir allerdings durchaus vorstellen, dass die Geheimdienste dieser Welt verschiedene Programme am Laufen haben, um das menschliche Bewusstsein zu erforschen und für verschiedene, auch militärische, Zwecke einzusetzen.

Insgesamt konnte mich das Buch aber nicht überzeugen. Es ist zu langatmig und vermisst die Schnelligkeit und den Pepp der früheren Bücher. Schon Inferno fand ich etwas schwergängig, das lag aber womöglich auch daran, dass ich die Göttliche Komödie nicht kenne. Aber The Secret of Secrets kam irgendwie so gar nicht richtig in die Puschen und zog sich stellenweise sehr lange hin. Es war sicherlich gut recherchiert und die Dinge auch einigermaßen gut aneinandergereiht. Natürlich sind da immer wieder die brenzligen Situationen, aus denen sie gerade so noch entkommen und ich mir immer denke, dass das im realen Leben echt ein bisschen zu viel Glück oder Zufall wäre. Aber trotz der teilweise spannenden Szenen ist da zu viel Text und zu wenig Vorankommen. Vielleicht ist das Thema aber auch einfach nicht dafür geeignet. Es ist schwierig über den möglichen Missbrauch einer Wissenschaft oder Technik zu schreiben, die niemand kennt und die nicht mal als gesichert erwiesen gilt. Da ist es doch ungleich fesselnder über die Verfehlungen der katholischen Kirche oder die Tücken der modernen Technik zu lesen.

Was mich zum Schluss noch am meisten gestört hat, war die Schlussfolgerung über die Angst vor dem Tod. Unsere Protagonisten behaupten, dass die Menschheit noch ein wenig länger durchhalten müssen, um die Angst vor dem Tod durch die bahnbrechenden Erkenntnisse der Noetik zu verlieren und somit auch einen großen Umschwung zu mehr Empathie und weniger Selbstvernichtung zu erreichen. Und sicherlich wäre das durchaus auch ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ich denke, dass unsere modernen Medien – sei es nun Social Media oder die allgemeinen Zeitschriften und Nachrichtenformate – sich vorrangig auf schlechte Nachrichten stürzen. Das scheint ja durchaus auch eine menschliche Eigenschaft zu sein, dass wir schlechte Nachrichten viel eher bereit sind aufzunehmen, zu glauben und abzuspeichern. Aber um dieser ganzen pessimistischen Strömung entgegenzuwirken scheint mir auch eine Lösung zu sein, sich mehr auf die Berichterstattung von positiven Meldungen zu konzentrieren. Dabei sollte nicht versucht werden, alles kleinzureden und so zu tun, als wäre alles nur gut in der Welt. Aber durch die beständige Berieselung mit schlechten Nachrichten und was alles falsch läuft in der Politik, im Klimawandel, in der Gesellschaft, im Kapitalismus etc. verlieren wir nach und nach auch das Vertrauen in uns selbst und unsere Mitmenschen. Eine Abkehr von der Gemeinschaft ist Misstrauen gegenüber allem und jedem ist der Fall. Wenn wir in diese wahrheitsgetreuen schlechten Nachrichten auch wahrheitsgetreue gute Nachrichten einfließen lassen, dann könnten wir auch dadurch unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt beeinflussen und unsere Sicht auf die Welt und die Politik.

*P.S. Hierzu habe ich gleich mal eine Frage: Warum gibt es so viele deutsche Bücher mit englischen Titeln? Das klingt jetzt hier wie „mimimi ich will aber alles in deutsch lesen, weil wir in Deutschland sind…“. So meine ich das nicht. Ich habe selbst Anglistik und Germanistik studiert und mag die Anglistik in vielen Bereichen lieber. Ich verstehe nur nicht, wieso manche Bücher keinen deutschen Titel bekommen – oder noch unverständlicher – wieso manche Bücher von deutschen AutorInnen mit englischem Titel erscheinen. Besonders bei den New-Romance-Titeln fällt mir das immer mehr auf. Ist das so ein Marketingding, damit es aussieht wie aus dem anglophonen Sprachraum und sich dann besser verkauft? Oder hängt es mit der Globalisierung zusammen, dass englische Titel einfach internationaler klingen und für jüngere Lesende einfach eine größere Anziehung ausübt? Oder geht es eher darum, dass manche Titel auf englisch einfach tatsächlich besser klingen? Wenn ich so überlege No Matter What (siehe Blogpost zur Benefizlesung im KTC) wäre auf Deutsch Ganz egal was und das klingt schon irgendwie nach… nichts. Ich freue mich, wenn mich hier jemand erleuchtet?

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