Women support Women – Benefizlesung im KTC Rostock

Nun muss ich zu meiner Schande gestehen, dass sich meine Lesewelt bisher auf Krimi und Thriller, ein paar Frauenromane hin und wieder, Jugendliteratur und Fantasy beschränkt. Gespickt mit ein paar Klassikern hier und da, ab und zu einem Sachbuch, und natürlich haufenweise Kinderbüchern mit den beiden Kleinen. Ich habe, absichtlich und bewusst, einen ziemlichen Bogen um diesen ganzen Kitsch-New-Romance-Dark-Academia-„Quatsch“ mit den pastellfarbenen Bänden und englischen Titeln gemacht. Allerdings mochte ich schon Dark-Academia, als das noch nicht so hieß und deswegen habe ich mir doch zumindest ein paar Klappentexte ab und zu mal durchgelesen. Und das ein oder andere Buch hat es auch eine „Noch zu Lesen“-Liste geschafft. Aber irgendwas muss ja dran sein an dem Hype von New Romance, Dark Romance, Dark Academia, Enemies-to-Lovers und all das…

Dann kam die Einladung zur Benefizlesung – Women support women – des Frauenbildungsnetzes MV e.V. und ich dachte mir, ach hey komm, Autorinnen unterstützen und den Horizont erweitern. Vielleicht ist da ja doch was für dich dabei. Und es war was für mich dabei!

Justine Pust liest aus ihrem Buch "Whispers of Destiny" und Sarah Stankewitz hört zu.

Und, das darf ich vorab schon verraten, es wurde ein ziemlich lustiger Abend am 14.11.2025. Im KTC unten im Kantinenbereich waren nett die Stühle angeordnet, der Thalia-Banner stand vor 3 ziemlich bequem aussehenden Sesseln und nach der Anmoderation kamen die – vorerst 2 – Autorinnen mit der Rolltreppe stilecht in den Lesungsbereich gefahren. Achso, Getränke gab es natürlich vorher auch und ein paar Give-Aways durften natürlich auch nicht fehlen.

Sarah Stankewitz ist Spiegel-Bestseller-Autorin und hat bereits über 60 Bücher geschrieben und veröffentlicht, teilweise im Eigenverlag, bevor Sie dann das Glück hatte mit einer Agentur einen Verlagsvertrag zu bekommen. Sie schreibt vor allem New Romance und als Sarah Rivers Dark Romance – durchaus auch mit etwas mehr Spice, wie sie uns wissen ließ. Sarah hat aus ihrem aktuellen Lieblingsbuch No Matter What vorgelesen. Die Stelle war natürlich ziemlich gut gewählt, es fing gerade an, etwas heißer zu werden… Insgesamt hat mich die allerdings weder die Story noch die Protagonistin überzeugt. Das Buch bringt die typischen Themen wie Missverständnisse und „Ich bin nicht gut genug“-Selbstzweifel mit und bestätigte erstmal mein Vorurteil, dass diese ganzen Bücher irgendwie alle gleich seien. Aber in dem Gespräch zwischen den beiden Autorinnen kam dann auch rüber, dass sie vor allem Good Guys für ihre Protagonistinnen aussuchen und auch viel übrig haben für starke weibliche Charaktere. Diese Einstellung finde ich sehr gut und daher werde ich mir doch sicherlich auch mal ein paar Romane von Sarah anschauen.

Weitaus mehr beeindruckt hat mich allerdings Justine Pust. Sie ist scheinbar bei weitem (noch) nicht so erfolgreich und bekannt wie Sarah Stankewitz, aber ihre Bücher haben mich wesentlich mehr angesprochen. Am 01.12. erschienen ist ihr neuestes Buch Was die Nacht nie Vergisst: ein New-Adult-Suspense-Roman über die Tücken und Geheimnisse hinter den Kulissen von Reality-TV und Gaming Shows. Außerdem mit dabei für die Lesung hatte sie ein anderes neues Buch Whispers of Destiny (erschienen am 28.11.), eine dystopische Fantasy mit satirischem Anklang  über das Callcenter des Todes. Sie hat uns den Prolog – recht traurig – und die ersten Seiten des ersten Kapitals – ziemlich lustig – vorgelesen und ich werde mir dieses Buch auf jeden Fall holen. Es klang sehr vielversprechend. Besonders interessant fand ich, dass Justine mehr zufällig in das New Romance-Genre eingestiegen ist und eigentlich viel mehr Bock hat auf Satire und Gesellschaftskritik oder feministischen Horror. Das finde ich doch sehr faszinierend und ich wünsche ihr, dass sie zukünftig auch ihren Weg findet und noch mehr Bekanntheit erreicht. Für mich hat sie es schonmal bis auf Weiteres auf meine Leseliste geschafft.

Mandy Jochmann, Sarah Stankewitz und Justine Pust unterhalten sich auf 3 Sesseln sitzend.

Als Special Guest war dann noch Mandy Jochmann dabei. Sie ist als Zykluscoachin und Achtsamkeitstrainerin tätig und berät Firmen und Frauen, wie man Arbeitsabläufe zyklusorientiert gestalten kann. Zufällig hatte ich gerade am Tag zuvor in einer Zeitschrift auf Arbeit einen kurzen Artikel über das Thema „Zyklusorientiertes Arbeiten“ gelesen und fand das ziemlich mind-blowing und faszinierend. Und nun sitzt in der Lesung – ohne dass es vorher bekannt war – diese Frau und hat auch gerade ein Buch über zyklusorientiertes Arbeiten geschrieben. Wie krass ist das bitte. Und damit meine ich den Zufall, aber auch das Thema an sich. Ich habe mich noch nie damit beschäftigt, ob/wie/welche Auswirkungen der weibliche Zyklus auf den Arbeitsalltag haben kann, aber das es so ist, ist unbestreitbar. Zumindest für alle, die keine hormonelle Verhütung nehmen. Das ganze Konzept ist für mich total neu, fühlt sich aber auch unglaublich richtig an. Und es ist eigentlich relativ simpel und auch nicht so kompliziert in der Umsetzung. Somit hat es das Buch „Zyklusorientiert Arbeiten“ definitiv auch auf meine „Noch-zu-lesen-Liste“ geschafft.

Justine Pust versteigert ihr Buch "Whispers of Destiny".

Zum Schluss hat Justine Pust dann noch ihr erstes druckfrisches Exemplar von Whispers of Destiny zugunsten des Frauenbildungsnetzes MV e.V. versteigert. Das gute Buch ging für 100€ an eine erfreute Leserin und ich wünsche ihr viel Spaß damit!

Generell fand ich die Lesung und den Abend sehr gelungen. Die Veranstalterinnen vom Frauenbildungsnetz MV e.V. haben sich viel Mühe gegeben und die drei Autorinnen haben sich und ihre Bücher gut präsentiert. Als Person hat mich Justine am meisten beeindruckt und war mir am sympathischsten. Thematisch fand ich die Offenheit, mit der über Weiblichkeit, Menstruation, Sex und alles andere geredet wurde oder zumindest mitschwang durchaus auch beeindruckend. Ich bin zwar noch nicht wirklich alt, aber auch nicht mehr ganz jung, und finde es daher durchaus ein wenig merkwürdig, wenn in der Öffentlichkeit über solch intimen Dinge geredet wird. Aber ich bewundere die mir nachfolgende Generation von jungen Frauen, dass sie diese Themen in die Öffentlichkeit tragen. Das Thema ist sicherlich nicht das Wichtigste oder Drängendste der Welt, aber es ist gut und richtig, das Weiblichkeit und Zyklus mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und dadurch auch ein weiteres Stück geebnet wird, damit sich unsere Welt in ihren Auffassungen und festgefahrenen Regeln ein Stück weiterentwickelt.

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